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Mark Rashid

Mark Rashid

Mark Rashid

Mark Rashid (erschienen RRi07)

Der Boss sein - ohne Zwang und Strafe

Seit Jahren begeistert der Amerikaner Mark Rashid mit seinen Büchern Pferdefreunde der unterschiedlichsten Reitweisen. In seinem leichten und stetigen Umgang mit Mensch und Pferd macht der Ausbilder die kleinen Dinge deutlich, die für das Pferd einen so großen Unterschied machen. Der Lehrer der japanischen Kampfkunstart Aikido setzt dessen harmonische Ideologien beim Reiten und beim Unterrichten erfolgreich ein. Im Juli 2007 war er das erste mal in Deutschland.

Ruhig setzt der Braune einen Huf vor den anderen. Die Herde beobachtet ihn, manchen wiehern ihm zu. So wie Moses das Wasser teilte so weichen die Herdenmitglieder vor dem Braunen auf dem Weg zu seinem Heuplatz zur Seite. Er muss nicht Beißen, Jagen oder Treten, allein seine Präsenz genügt. "So beobachtete ich ein Pferd in unserer großen Herde. Er hatte es nicht nötig, sich mit Gewalt Respekt zu verschaffen. Er bekam ihn einfach. Alle anderen mochten und respektierten ihn, wollten bei ihm sein", erinnert sich Rashid, der diese Beobachtung als Wendepunkt in seiner Arbeit mit Pferden bezeichnet.
Passive Leadership - man kann ein Pferd führen, ohne Zwang. "Ich beobachte die Herde stundenlang und versuchte, das neue Wissen in meine Arbeit einfließen zu lassen. Fazit: es machte einen riesigen Unterschied für das Pferd und somit für unseren Umgang miteinander. "Auftreten, innere Stärke, Präsenz, Ruhe, Kraft, Souveränität - diese Aspekte machen eine Reiterpersönlichkeit aus. Diese entwickelt sich natürlich nicht von jetzt auf gleich. Aber möchte man so ein Führer sein, kann man daran arbeiten", erklärt der Ausbilder aus Estes Park, Colorado.

 

Mit Kampfkunst zum Reiterglück

Rashid wuchs im westlichen Amerika unter dem Einfluss eines alten, weisen Pferdemannes auf, dessen Prinzipien heute noch die Grundlage seiner Arbeit mit Pferden sind. Rashid ist aber nicht nur den Pferden verbunden: Er erlernte und unterrichtet heute die japanische Kampfkunstart Aikido - übersetzt Weg der Harmonie -, dessen Ideologien ihm beim Reiten und beim Unterrichten sehr hilfreich sind. Im Aikido wird die Energie, also der Druck des Angreifers, einfach durch vorausschauendes Agieren des Angegriffnen umgelenkt. Die Attacke wird so nicht durch Konfrontation abschmettert, sondern sanft umgelenkt. "Mit den Pferden ist es genauso. Hier leite ich die Energie derer Bewegungen um. In die Richtung, in der ich sie brauchen kann, unterm Sattel oder am Boden", erläutert Rashid. Dies ist kein Hokuspokus, sondern immerwährendes Gucken, Denken, Fühlen und Lernen. Ein guter Pferdemann sein ist nicht etwas, dass Rashid an- oder ausknipst. Für den tief denkenden Pferdemann ist es eine Lebenseinstellung - ein Weg zu sein. "Der beste Platz, um zu praktizieren, ein guter Reiter zu sein, ist außerhalb des Reitplatzes: Im Auto, auf der Arbeit, im Zusammensein mit Kindern, beim Rasieren oder Kochen", fährt er fort. Zu gutem Reiten gehört es, weich zu sein, tief zu atmen, aufmerksam und geduldig zu sein - und das können wir überall praktizieren. Beim Pferd kann man die gut gefestigten Charaktereigenschaften dann bewusst einsetzen, anstatt verkrampf und ungeduldig einmal die Woche beim Pferd tief Atmen zu üben. "In meinen Kursen arbeite ich mit einem Chiropraktiker und Tierarzt zusammen, der die Kurspferde gesundheitlich betreut. Häufig haben die Tiere schmerzen durch nicht passende Sättel, Blockaden oder Knochenveränderungen. Der Grund warum diese Reiter Probleme mit ihren Pferden beim Reiten haben, liegt dann oft an deren gesundheitlichen Zustand. Ein Reitkurs mit vielen Übungen unterm Sattel wird da langfristig nicht helfen. Erst einmal muss die Ursache genauer unter die Lupe genommen werden.

 

Das Gefühl hinter der Technik

"Das beste Hilfsmittel auf der Welt, um mit Pferden zu arbeiten sind wir selber, unser Körper und Verstand. Und dieses Hilfsmittel haben wir den ganzen Tag lang, um damit zu üben. Beim Tüten tragen, Spazieren gehen oder Fahrradfahren. "Die meisten von uns verbringen täglich sehr wenig Zeit mit ihrem Pferd. Wir haben aber doch Stunden in denen wir Horsemanship praktizieren können", erinnert der Familienvater. "So wie wir unser Leben leben, so gehen wir mit Pferden um. Wenn wir unser Leben in Tumult, Stress und Unruhe leben, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass wir so auch bei unserem Pferd agieren. Sind wir aber ruhig, glücklich und zentriert, dann werden es die Pferde reflektieren. Horsemanship kann am Ende mehr ein Weg sein wie man ist, anstatt ein Kasten voller Hilfsmittel mit denen man was tun kann. Technik ist sehr wichtig bei der Arbeit mit Pferden. Aber hinter jeder Technik steht das Gefühl, mit dem sie ausgeführt wird. Technik kann also ein ‚Lass-mich-dir-helfen-Gefühl' beinhalten, aber auch ein ‚Jetzt mach das endlich, du stures Pferd'. Das Gefühl hinter der Technik kann ausschlaggebend sein, ob sie klappt oder nicht. Und es kann ausschlaggebend dafür sein, ob einen das Pferd mag oder nicht.